GRENACHER
 

(Publiziert am 7. Februar  2026 in der alle zwei Wochen erscheinenden Print-Kolumne GRENACHER)

Lieber Alfons P.  Kaufmann 

«Das ist eine absolute Frechheit», sagen Sie. Und Sie haben recht.

Der Kanton will den Aussenstandort der Berufsfachschule Gesundheit und Soziales in Rheinfelden schliessen. Statt dessen: Umzug in geplante neue Sport- und Schulräume in Oberentfelden. In Rheinfelden wären Kapazitäten vorhanden. Aber egal. Aarau hat entschieden.

Wieder einmal.

Sie sprechen von einem «Fricktaler Sturm auf Aarau». Von einem Protestmarsch. Von klaren Forderungen. Martialische Worte, gewiss. Aber vielleicht braucht es genau das. Denn das Fricktal wird nicht zum ersten Mal aufs Abstellgleis gestellt.

Erinnern wir uns: 1803 kam das Fricktal zur Schweiz. Nicht freiwillig. Nicht begeistert. Sondern weil Napoleon es so wollte. Die Aargauer nahmen uns auf – aber nie wirklich ernst. Wir waren die Hinzugekommenen. Die Nachzügler. Die, die man dabeihaben muss, aber nicht unbedingt will.

Und so zieht sich eine Linie durch die Geschichte: Das Fricktal kämpft. Um Infrastruktur. Um Aufmerksamkeit. Um das, was anderen Aargauer Regionen selbstverständlich zugestanden wird.


Die Bözbergstrecke? Mussten wir erkämpfen. Unsere Bezirksspitäler? Mussten wir verteidigen. Das Sisslerfeld? Entwicklungsschwerpunkt nach Aarauer Diktat. Die Kantonsschule in Stein? Ein jahrzehntelanger Kampf. Eine dringend nötige neue Rheinbrücke zur Verkehrsentlastung – ennet der Staffelegg vertrödelt. Und jetzt: Die Berufsfachschule.

Immer wieder dasselbe Muster. Aarau plant. Aarau entscheidet. Aarau spart. Und das Fricktal zahlt die Zeche.

Dabei ist es nicht so, dass wir nichts beitragen würden. Das Fricktal ist Wirtschaftsmotor. Novartis, Bachem, Syngenta, DSM, Lonza, daneben ganz viele weitere unternehmerische Perlen von Weltruf  – alles hier. Aber eine Berufsfachschule? Zu teuer. Zu aufwendig. Zu weit weg von Aarau.

Sie, lieber Alfons P. Kaufmann, sagen: «Bis zum Letzten kämpfen.» Ein Satz, der vielleicht pathetisch klingt. Aber in Wahrheit ist er das, was es immer schon brauchte im Fricktal: Hartnäckigkeit. Widerstand. Die Weigerung, sich einfach fügen zu lassen.

Vielleicht braucht es tatsächlich einen Fricktaler Sturm. Nicht mit Heugabeln und Fackeln – aber mit Hartnäckigkeit und klaren Forderungen. Denn das Fricktal hat lange genug stillgehalten.

1830 gab es den Freiämtersturm. Die Freiämter marschierten nach Aarau und forderten ihre Rechte. Sie bekamen sie. Vielleicht wird 2026 das Jahr des Fricktaler Sturms.

In diesem Sinne, lieber Alfons P. Kaufmann: Kämpfen Sie weiter. Für das Fricktal. Für die Bildung. Für die Region, die nicht mehr hinnehmen will, was Aarau entscheidet.
Denn manchmal – und das zeigt die Geschichte – braucht es einen Sturm, damit sich etwas bewegt.